Freitag, 19.11.2010 19:30 | Rolf Bergmeier •
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Requiem für die abendländische Kultur. Germanen oder Kirche? Vom Zusammenbruch der antiken Kultur im 5. Jahrhundert.
Mit dem Übergang zum Mittelalter verschwindet die tausendjährige antike Hochkultur. Während um 350 in den Städten des Imperium Romanum der Elementarunterricht fast allen offensteht, ein erheblicher Anteil der Mittel- und Oberschicht lesen und schreiben kann, die Oberschicht zwei Sprachen spricht, in Rom 28 öffentliche Bibliotheken existieren, sind einhundert Jahre später alle öffentlichen Schulen und Bibliotheken geschlossen. Wenig später können noch nicht einmal mehr die Könige und Kaiser schreiben.
Das „finstere Mittelalter“ macht durch Analphabetismus auf sich aufmerksam. Gründe für diesen kulturellen Niedergang werden zuhauf genannt: von der Dekadenz der Römer bis zur Pest. Und natürlich sind die Germanen Schuld: ihre „Völkerwanderung“ habe dem Imperium und dessen griechisch-römische Kultur den Todesstoß versetzt. Rolf Bergmeier wundert sich: Der Umbruch vom liberalen antiken Staatskult zur monotheistisch-christlichen Staatskirche im Jahre 380 wird kaum oder bestenfalls am Rande erwähnt. Bergmeier macht auf die Verantwortung der christlichen Kirche aufmerksam, die der ausgehenden Spätantike und dem Mittelalter ihren ideologischen Stempel aufdrückt.
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Vortragsdauer ca. 75 min., anschl. Diskussion
Der Referent:
Rolf Bergmeier, Koblenz, *1940. Studium der Informatik bei der Ges. für Mathematik und Datenverarbeitung, Bonn. Systemanalytiker. Studium der Philosophie und der Alten Geschichte an der Gutenberg-Universität, Mainz. Forschungsschwerpunkt: Spätantike und Kirchengeschichte aus althistorisch-wissenschaftlicher Perspektive. Veröffentlichungen zur Thematik: „Die spätantiken Literaturquellen. Bestand und Verfall der antiken Literatur im 4. und 5. Jahrhundert“, Mainz 2009. „Requiem für die antike Kultur“, in: Aufklärung und Kritik, hg. von der Ges. für kritische Philosophie, Nürnberg 2009. Im Herbst 2010 erscheint „Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser“. In Vorb.: „Schatten über Europa. Der Untergang der antiken abendländischen Kultur. Die Geschichte einer fast vergessenen Schande“.
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